1. Weiterbildungsweg

1.1 Die Neuropädiatrie ist ein Teilgebiet der Pädiatrie. Die Voraussetzung für eine neuropädiatrische Spezialisierung soll in der Regel eine abgeschlossene kinderfachärztliche Ausbildung sein.

1.2 Ein angemessener Zeitraum der pädiatrischen Facharztweiterbildung sollte - unter Wahrung der Facharztordnung - der Neuropädiatrie vorbehalten sein. Die neuropädiatrische Spezialisierung kann nur durch eine die Facharztausbildung überschreitende Weiterbildung erfolgen. Die Weiterbildungszeit soll mindestens 2 Jahre betragen. Sie ist von einer neuropädiatrischen Abteilung zu bescheinigen. Durch die Weiterbildung sollen ausreichende Kenntnisse in den Sachgebieten erworben werden, die im Lernzielkatalog aufgeführt sind. Dem einzelnen steht es frei, die Schwerpunkte selbst zu bestimmen.

1.3 Die neuropädiatrische Ausbildung erfolgt an den neuropädiatrischen Abteilungen der Kinderkliniken und an neuropädiatrischen Kliniken. Entsprechende Abteilungen im Ausland sind für die Weiterbildung geeignet, sofern sie den Anforderungen für die kinderfachärztliche Weiterbildung entsprechen.

1.4 Die zweijährige neuropädiatrische Weiterbildung sollte ergänzt werden durch mindestens ein weiteres Jahr in Neurologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Neurochirurgie oder den Grundlagenfächern der Neurologie (Neuroanatomie, Neuropathologie, Neurophysiologie, Neurochemie, Neuropharmakologie u.a.). Davon stellt eine mindestens 6 Monate dauernde Ausbildung in Neurologie die Regel dar.

1.5 Strebt ein Facharzt für Neurologie oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie eine Spezialisierung in Neuropädiatrie an, so soll neben der zweijährigen Weiterbildung in Neuropädiatrie eine ausreichende Weiterbildung in allgemeiner Pädiatrie Voraussetzung sein.

2. Lernzielkatalog

2.1 Allgemeine Fähigkeiten

Der in der Neuropädiatrie tätige Arzt soll sich so weiterbilden, daß er folgende Fähigkeiten erwirbt:

  • Die neurologische Untersuchung von Kindern aller Altersstufen insbesondere auch von Früh- und Neugeborenen sowie von Säuglingen durchzuführen,
  • die Diagnose und Differentialdiagnose neurologischer Krankheitsbilder zu stellen, z.B. bei einem komatösen, einem intelligenzgeminderten, einem spastisch oder schlaff gelähmten Kind, bei einem mehrfach behinderten Patienten, einem Kind mit Hydrocephalie, Mikrocephalie oder Spaltmißbildungen des Achsenskeletts u.a.m.,
  • spezielle, diagnostische Untersuchungsmethoden gezielt anzuwenden und kritisch zu bewerten, d.h. ihre Indikationen und Kontraindikationen, ihre Grenzen und Risiken zu kennen,
  • eine Therapie unter besonderer Berücksichtigung ihrer Nebenwirkungen zu planen und zu überwachen,
  • eine auch für die wissenschaftliche Auswertung geeignete Befunddokumentation zu erstellen,
  • eine sozialmedizinische Problematik zu erkennen und zu berücksichtigen,
  • Patienten und ihre Eltern mit besonderer Berücksichtigung der chronisch kranken und dauernd behinderten Kinder zu beraten und zu führen.

2.2 Spezielle Kenntnisse

Der in der Neuropädiatrie tätige Arzt soll sich spezielle Kenntnisse in der Klinik der Neuropädiatrie und in mindestens einem der nachfolgend erwähnten apparativen neurodiagnostischen Verfahren erwerben.

2.2.1 Die Klinik der Neuropädiatrie umfaßt folgende Hauptgebiete:

  • Entwicklungsneurologie: Anatomische und physiologische Grundlagen der sensomotorischen Entwicklung, die motorische und psychische Entwicklung und ihre Störungen
  • Mißbildungen des Nervensystems
  • Neurometabolische Erkrankungen
  • Heredodegenerative und Systemerkrankungen des neuromuskulären Apparats, des Rückenmarks und seiner Verbindungen
  • Vaskuläre Erkrankungen des Nervensystems
  • Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems und seiner Häute
  • Cerebrale und nicht cerebrale Anfälle
  • Tumoren des Nervensystems und andere Raumforderungen
  • Traumatische Schäden des Nervensystems einschließlich geburtstraumatischer Störungen
  • Einfache und mehrfache Behinderungen mit neurologischem Schwerpunkt.

2.2.2 Apparative neurodiagnostische Verfahren

  • Elektroencephalographie und Echoencephalographie
  • Elektromyoneurographie (EMG und NLG)
  • Neuroradiologie - CAT - NMR
  • Hirnszintigraphie
  • neue apparative Untersuchungsverfahren